Wine
Der Anruf
Es war in den 80er-Jahren.
Ich arbeitete gerade in meinem Fotostudio, als das Telefon klingelte. Eine sympathische Männerstimme erklärte mir, er habe einige besonders gute Weine und würde diese gerne bei mir im Studio zur Degustation vorstellen. Eine ungewöhnliche Anfrage – aber warum nicht?
Ich trinke gerne Wein. Nicht oft, aber bewusst.
Zwei Stunden später stand der Herr tatsächlich in meinem Studio. Zwischen Kameras, Stativen und Hintergründen präsentierte er seine edlen Tropfen. Glas um Glas wurde eingeschenkt, diskutiert, verglichen. Die Atmosphäre war entspannt – vielleicht etwas zu entspannt.
Am Ende – nicht mehr ganz nüchtern – kaufte ich für 800 Franken zwölf Flaschen:
zwei verschiedene Rotweine und zwei verschiedene Weissweine, von jedem drei Flaschen.
Ich muss gestehen: Selten zuvor und auch danach habe ich Weine von solcher Qualität getrunken. Besonders der Rotwein hatte es mir angetan.
Damals gab es noch keine Smartphones, mit denen man schnell ein Foto jeder Flasche machen konnte. Und da ich in jener Woche etwas mehr Zeit hatte als sonst, entschloss ich mich, von den beiden Weinen, die mich am meisten überzeugt hatten, je ein Foto zu machen.
Zwischen Lichtsetzung und Glasreflexion entstanden so zwei Aufnahmen – nicht als Auftrag, sondern aus purer Begeisterung.
Das Foto des Glases habe ich im Jahr 2026 neu erstellt. Ich mag es, Formen allein durch gezielte Lichtführung klar herauszuarbeiten und sichtbar zu machen, sodass jene Formen, die nicht direkt sichtbar sind, durch die eigene Vorstellungskraft vervollständigt werden können..
Prosit!



